Virtuelle Realitäten werden mit jedem Release ausgeklügelter. Doch es geht immer noch um dasselbe, nämlich um uns als Personen. Im Alltag scheint es selbstverständlich, dass sich alles um uns dreht. Wir sind wohl natürlicherweise etwas verliebt in das eigene Ich. Und um dieses Ich geht es auch in den virtuellen Realitäten. Schauen wir zuerst vier Beispiele an.
1) Mark Zuckerberg stellte letztes Jahr sein Metaverse vor, mit teilweise neuen Ideen der Interaktion und der Visualisierung. Interessant sind nun diese beiden Aspekte: Das Metaverse kann man verlassen. Klar, spätestens wenn der Computer ausgeschaltet ist, ist man draussen. Und: Im Metaverse kann man nicht sterben. Egal, was da virtuell erlebt wird, es führt nicht dazu, dass die Person stirbt, die sich die 3D-Brille aufgesetzt hat.
2) Vor bald einem Jahr wurde der vierte Film von Matrix in den Kinos gezeigt. Eine der Fragen in diesen Filmen ist, welches das reale Leben sei. Als Zuschauer lernt man zuerst das Leben in der Matrix kennen, und somit scheint dieses Leben real. Und immer mehr wird sichtbar, dass es auch ein Leben ausserhalb der Matrix gibt, welches auch real erscheint. Die Protagonisten können in die Matrix einsteigen und sie auch wieder verlassen, wie beim Metaverse. Doch die Protagonisten können nicht nur ausserhalb der Matrix sterben, sie können auch in der Matrix sterben, ein Unterschied zum Metaverse.
3) Als nächstes die Simulationshypothese. Diese Hypothese sagt, dass dieser Kosmos, und auch wir als Personen, Teil einer Simulation sind, also Objekte in einer Computersimulation. Gemäss der Hypothese können wir diese Simulation nicht verlassen, weil es uns ausserhalb der Simulation nicht gibt. Und wie wir wissen, können wir darin sterben, wie in der Matrix.
4) Gibt es auch etwas, das wir nicht verlassen können, und indem wir auch nicht sterben können? Nun, die Konzepte von Himmel und Hölle haben diese beiden Eigenschaften. Soweit ich die Theologen verstanden habe, kann man Himmel und Hölle nicht verlassen und man kann auch nicht sterben, um diesen Zustand zu beenden.
Wir lassen nun die Unterschiede dieser Beispiele beiseite. Denn viel interessanter ist in unserem Kontext eine Gemeinsamkeit:
In allen vier Beispielen geht es um die Person. Und dies trotz den Unterschieden, vom Metaverse bis zur Hölle und zurück. Das Ich steht immer im Mittelpunkt. Da machen wir einen verrückten Gedankengang und stellen uns vor, wir sind Teil einer Simulation, und finden uns doch wieder am gleichen Ort. Alles dreht sich um dieses Ich. Wie siehst du das? Vielleicht sind wir tatsächlich etwas verliebt in das eigene Ich?
Denn egal ob wir uns in der realen Welt aufhalten oder in einer virtuellen, wir sind gefangen in der Bezogenheit auf unser Ich, so dass wir immer wieder das gleiche denken und scheinbar erleben, nämlich:
Ich mache das
Ich bin das
Ich bin da
Ich bin
Ich

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