Der Sprachphilosoph Fritz Mauthner lebte ab 1909 in Meersburg am Bodensee. Rund hundert Jahre später nennt ihn Ludger Lütkehaus den «Buddha vom Bodensee»[1]. Wobei, dies ist nur ein Aspekt von Mauthners breitem Schaffen. Aus seiner Beschäftigung mit dem Buddhismus ist die Novelle entstanden «Der letzte Tod des Gautama Buddha»[2].
In dieser Novelle legt Mauthner dem sterbenden Buddha die Worte in den Mund: «Wie eine Tänzerin [die] nackt und immer nackter vor dem Volke tanzt; wenn die Tänzerin den letzten Schleier abgeworfen hat, dann kann sie nicht mehr tanzen»[3]. Mir gefällt, wie Mauthner die Grenze des Tanzens vergleicht mit der Grenze von dem, was mit Sprache ausgedrückt werden kann. Das Tanzen kommt zu einem Ende, wenn der letzte Schleier abgeworfen ist. Und die Sprache kommt zu einem Ende, wenn der letzte Inhalt weggelassen wird, also alle Inhalte, die doch nur scheinbar wichtig sind.
Wenn alle Inhalte von der Sprache abfallen, gibt es keine letzten Worte mehr und es bleibt nur noch Schweigen. Mauthner formuliert dies so: «Hätte der Buddha gar in seiner letzten Sprache geredet, so hätte er nicht weiter reden können»[4].
Schweigen ist die Antwort auf das Letzte.
Schweigen,
diese Stille ohne Worte,
kein Denken und kein Meinen,
und ohne etwas zu scheinen.
Schweigen ist eine Pforte,
sehen ohne Worte.
[1] Ludger Lütkehaus. Nichts. Leipzig: Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, 2014. S. 384
[2] Fritz Mauthner. Der letzte Tod des Gautama Buddha. Hamburg: Verlag Tredition GmbH, 2012. (Erstausgabe 1913)
[3] Ebd. S. 35
[4] Ebd. S. 35

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