Ich sass mit einem Freund bei einem Bier und erzählte ihm, dass ich ein kurzes Video produziert habe über Entweder-oder. Entweder-oder erleben wir im Alltag so, dass es für uns selbstverständlich ist zu unterscheiden, zum Beispiel ob etwas dazugehört oder nicht, oder ob etwas richtig ist oder falsch. Und ich versuchte ihm zu erklären, dass ich eine Alternative zu all diesen Entweder-oder sehen würde, nämlich ein Und. Ein Und schliesst alles ein. Je grösser die Distanz, aus der wir auf etwas schauen, umso einfacher ist es, ein solches Und zu sehen.
So diskutierten wir die weiteren Konsequenzen dieser integrierenden Sicht. Denn wenn es keine Unterschiede gibt, gibt es auch kein du und kein ich. Und ohne die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt gibt es nichts von dem, was wir subjektiv erleben. Das Leben wird zur Illusion. Mein Freund fragte mich: «Aber, wenn du dies zu Ende denkst, löst das bei dir keine existenziellen Ängste aus?» Eine so ähnliche Frage hatte ich erwartet, denn wir kennen uns schon lange.
Also antwortete ich ihm etwa so: «Für mich ist auch zu existieren (und dazu gehören die existenzielle Ängste) und nicht zu existieren (also zu sehen, dass alles eine Illusion ist), kein Entweder-oder. Es ist eine Frage der Perspektive. Aus einer Perspektive von aussen, von ganz aussen, löst sich der Unterschied zwischen existieren und nicht existieren auf. Deshalb ist für mich beides ok, die Illusion meiner eigenen Existenz zu sehen, und, mit dir hier unsere Freundschaft und dieses Bier zu geniessen.»
«Nun ja, vielleicht ok, aber sinnlos», meinte mein Freund dazu. «Ja, in einer Welt von Entweder-oder ist es sinnlos. Doch in einer Welt von Und gehört beides dazu, unabhängig davon, ob wir dem einen Sinn geben, oder ob es sich der Sinnhaftigkeit entzieht.»
Und so haben wir auf den Sinn und auf allen Unsinn angestossen.

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